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Das war unsere wärmste und sonnigste Bikepacking-Tour der letzten drei Jahre. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass man Schottland normalerweise mit Dauerregen und bleigrauen Himmeln verbindet. Diesmal haben wir eindeutig die schottische Wetterlotterie gewonnen und waren überhaupt nicht darauf vorbereitet.

Durch die schottischen Highlands: Plan & Route

Für mich war es der erste Besuch in Großbritannien, mein Wissen über Schottland stammte aus Geschichtsbüchern, Hollywood-Filmen und Instagram. Für Bruno war es die fünfte Radreise hierher. Als Renndirektor mehrerer Ultradistanz-Events ist das Planen von herausfordernden Routen sein Handwerk: Die Streckenplanung war also seine Aufgabe.

 

Mein einziger Beitrag war, darum zu bitten, die Distanz von 700 auf 550 km zu reduzieren und zumindest ein bisschen Asphalt zu ergänzen.

 

Der grobe Plan: Mit dem Zug nach Stirling, dann nordwärts durch den Nationalpark an Loch Lomond vorbei, zweite Nacht in einer Hütte in den Bergen, ein Teil des Cairngorms Loop, dann westwärts via West Highland Way nach Fort William.

 

Danach Glenfinnan (ja, das Harry-Potter-Viadukt), eine weitere Nacht in einer Schutzhütte und am letzten Tag zur Isle of Mull, bevor es per Zug zurück über Glasgow ging. Fünf Tage, voller Mountainbike-Trails, Hike-a-Bike-Passagen, Flussüberquerungen und langen Strecken ohne Mobilfunksignal.

Komoot Route:

Mein Bikepacking-Setup für Schottland

Tag 0 — Auftakt in Edinburgh

Edinburgh ist definitiv eine Reise wert. Den ersten Tag nutzten wir für einen entspannten Erkundungsritt ohne Gepäck: Carlton Hill, Edinburgh Castle, Princes Street, Royal Mile und dann hinaus zu den ruhigeren Pentlands mit Blick auf die Küste bei Queensferry. Rund 70 km als perfektes, sonniges Aufwärmen.

Tag 1 — Von Stirling nach Killin

Die Zugreise nach Stirling war kurz und radfreundlich. Das Wetter: kühl und mit leichtem Regen. Die erste Etappe verlief größtenteils auf Asphalt und führte durch mehrere Orte: Die letzte Chance, um uns nochmals mit Lebensmitteln einzudecken.

 

Das Auftreiben von 300 ml Spiritus für meinen Kocher entpuppte sich als unerwartet epische Mission: drei Ortschaften, unzählige Nachfragen, bis wir schließlich an einer Tankstelle für 6 Euro die letzte Flasche ergatterten.

 

Lästig, aber irgendwie auch amüsant. Die Landschaft wechselte alle 10–15 km ihr Gesicht, irgendwo zwischen Harz und Alpen. Und überall: leuchtend gelbe Narzissen und Lämmer, die sich hinter ihren Müttern versteckten.

Tag 2 — Endlich! Die Highlands beginnen

Jetzt fingen die echten schottischen Highlands an. Die Landschaft verwandelte sich in etwas fast Mongolisches: weit, offen, wild. Wir sahen an diesem Tag kaum Menschen.

 

Dann verschwand der Weg: eine eingestürzte Brücke, kein sichtbarer Pfad. Wir entschieden uns, „nach Gefühl“ weiterzufahren. Das Moor sah das anders. Ein falscher Schritt und ich versank fast im schwarzen Schlamm. Bruno zog mich – und das Rad – heraus. Nicht unser schönster Moment auf der Tour.

 

Irgendwann wurde der Sumpf zu einem schmalen Seeuferweg, gefolgt von mehreren Flussüberquerungen. Müde, durchnässt und ausgehungert erreichten wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit unsere Schutzhütte. Feuer im Kamin, frisches Wasser aus dem Bach, einfaches Essen, Vollmond vor dem Fenster — es fühlte sich unwirklich an.

Tag 3 — Die Pferde von Cairngorms

Wir wachten auf, während Pferde direkt vor dem Fenster grasten. Der Cairngorms Loop war an diesem Tag die Herausforderung. Allerdings waren Flussüberquerungen inzwischen Routine für uns und meine 35-Euro-Crocs erwiesen sich als eine der besten Investitionen der Tour.

 

Das Wetter war unerwartet warm – zu warm für unsere vielen Wollschichten. Sonnencreme hatten wir nicht dabei, so durfte unsere klassische Radfahrer-Tanline sich ungestört entfalten.

 

Das Gelände war verhältnismäßig flach, aber langsam: Felsige Waldpfade, die jeden Schwung sofort vernichteten.

 

Nach etwa 30 km gönnte ich mir eine längere Pause im Café an einem See, während Bruno die Schleife zu Ende fuhr. Abends in unserem Hostel in Dalwhinnie hatten wir weder ein Restaurant noch einen Laden, bis uns die Hostelbetreiberin mit Pasta, Thunfisch und Schokolade rettete. Diese Nacht fehlte mir sogar die Energie, einen Blick aufs Handy zu werfen.

Tag 4 — Richtung Fort William

Nach 9,5 Stunden Schlaf fühlte sich alles besser an. Frühstück gab es im einzigen Café des Dorfes, zwei Kaffees und ein Avocado-Toast kosteten 40 Pfund: Schmerzhaft, aber notwendig.

 

„Nur einen kniffligen Abschnitt“, kündigte Bruno die Herausforderungen des Tages an. Das bedeutete: 5 km Hike-a-Bike entlang eines Flusses, alle 50 Meter Bikes über Felsen tragen, neben Wasserfällen klettern, endlose Moore ohne erkennbaren Weg.

 

Schön. Brutal. Nichts, was ich so schnell wiederholen würde. Die letzten 20 km nach Fort William fuhr ich im Autopilot. Um 22 Uhr erreichten wir das Hotel und aßen unser wohlverdientes (und leicht fragwürdiges) Gefriertrockenfutter.

Tag 5 — Bei Harry Potter in Glenfinnan und Heimreise

Was bleibt vom Schottland Bikepacking Trip?