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Es kommt auf die Länge an: Wie erkennt man Kettenverschleiß?

Die Abnutzung von Bremsbelägen oder Bremsscheiben erkennt man daran, dass sie dünner werden. Eine Fahrradkette wird stattdessen länger. 

 

Das heißt nicht, dass die Kettenglieder an sich elastisch werden wie in einem Yoga-Retreat. Trotzdem geht es um die Beweglichkeit von Gelenken: Die Kettengelenke, die die Kettenglieder zusammenhalten, bestehen aus Bolzen und Rollen mit darunterliegenden Hülsen. 

Wie misst man Kettenverschleiß?

Zum Glück braucht man für den Kettencheck weder ein Ingenieurstudium noch teures Werkzeug. Ein einziges Tool genügt:

 

Dein bester Freund: Die Kettenmesslehre

 

Am einfachsten geht’s mit einer Kettenmesslehre. Als Erstes das Ende mit der Beschriftung „1“ in ein Kettenlied stecken und die Kettenlehre locker, ohne Druck nach unten sacken lassen. Wenn auch das andere Ende („2“) in ein Kettenglied greift und versinkt, sodass die Messlehre flach aufliegt, ist die Kette beim Test durchgefallen. Bleibt sie oben, kann die Kette noch gefahren werden.

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Wie viele Kilometer hält eine Fahrradkette?

Wie lang kann ich eine Kette also ungefähr fahren? Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an.

 

Jemand, der entspannt, mit wenig Krafteinwirkung auf einem Fahrradweg dahintuckert, nutzt seine Kette natürlich wesentlich weniger ab als jemand, der Vollgas über Trails ballert und die Kette maximal beansprucht.

 

Ein Beispiel:

 

Jonas Deichmann wechselte bei seinem 120-fachen Ironman-Projekt 2024 rund um Roth etwa alle 3.000 km die Kette – insgesamt sieben Stück auf rund 21.000 km.

 

Aber: Er war natürlich im absoluten Performance-Bereich unterwegs. Wer keinen Weltrekord jagt, kann seine Kette deutlich länger fahren.

 

Die Spannbreite zur Lebensdauer einer Kette ist ganz, ganz grob:

 

  • 2.000–5.000 km bei normaler Nutzung
  • 5.000–10.000 km bei guter Pflege und günstigen Bedingungen
  • < 1.000–2.000 km bei extremer Belastung (z.B. viel Matsch, MTB-Trails, wenig Pflege, hohe E-Bike-Last oder viel Gepäck)

 

Denn es kommt nicht nur aufs Fahrverhalten und Terrain an, sondern auch darauf, wie die Kette gepflegt wird.

Welche Faktoren bestimmen den Kettenverschleiß?

Hier mal kurzes Speed Dating, damit es in Zukunft ein Happy End gibt.

 

Was Fahrradketten mögen:

 

  • wenig Dreck
  • regelmäßige Pflege
  • geringe Krafteinwirkung
  • sauberes Schalten

 

Was Fahrradketten NICHT mögen:

 

  • Schmutz
  • Korrosion / Rost
  • hohe Belastung
  • brachiales Schalten – am allerwenigsten unter Motorunterstützung beim E-Bike

 

Eine regelmäßig gereinigte und geölte Kette, hält deutlich länger wie eine vernachlässigte!

Putzen: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig

Ob der Rahmen dreckig ist, ist nicht entscheidend für die Funktion. Aber bei der Schaltung wirkt Dreck nicht nur wie Schmirgelpapier, sondern auch wie eine Bremse. Wenn der halbe Feldweg in Kette, Kassette und Kettenblättern hängen, wird der Verschleiß enorm beschleunigt. Und: Man braucht auch mehr Kraft beim Fahren, wenn der Antrieb dreckig ist. Weil mehr Dreck = mehr Reibung.

Wie man richtig putzt (oder putzen lässt), erkläre ich hier im YouTube-Video.

 

Dort gibt’s auch die Tipps zum Ölen:

 

1. Erst reinigen

2. Kette trocknen lassen

3. Dann passendes Kettenöl auftragen (Niemals andersherum!)

4. Nicht zu viel ölen

5. Öl einwirken lassen (am besten über Nacht)

6. Überschüssiges Öl mit einem Tuch abwischen

 

Also immer zuerst weg mit dem Dreck. 

Denn Schmutz + Öl = Schleifpaste. Und Schleifpaste = Turbo-Verschleiß.

Richtiges Schalten: Und jetzt bitte mit Gefühl! (Erst recht beim E-Bike)

Gerade bei E-Bikes wirken enorme Kräfte auf die Kette. Der Akku hat schließlich mehr Power als meine Waden! Und das Rad ist schwerer als ein normales Bike. 

 

Wer immer im gleichen Gang bleibt und nur durch die Unterstützungsstufen des Motors schaltet, beschleunigt den Verschleiß deutlich. Und damit gestehe ich ein, dass ich genau das bei meiner ersten E-MTB-Tour gemacht habe, bis mir eingefallen ist, dass ich ja auch noch eine Schaltung habe! Das Leih-Bike im Wallis tut mir bis heute leid.

 

Auch wer unter Volllast schaltet, beansprucht das Material unnötig. Wenn man beim Wechseln des Gangs kurz den Druck rausnimmt, dankt es die Kette langfristig. 

 

Das gilt natürlich auch, wenn man mit einem gewöhnlichen Bio-Bike in einen Anstieg fährt und auf den letzten Drücker schaltet, während man schon mit Vollgas gegen die Prozentzahlen antritt. Vorausschauend fahren heißt das Zauberwort! 

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