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Was bedeutet STI?

Ich sage zu den Dingern ja auch gern mal „Hörnchen“ und werde dafür im Internet immer ausgelacht. Der Fachbegriff lautet „STI“. Steht für „SHIMANO Total Integration“. Weil es in den 90ern eine Innovation war, bei Rennrädern den Brems- und Schalthebel in einer Einheit am Lenker zu vereinen. Denn vorher musste man meist am Unterrohr schalten und dafür die Hände vom Lenker nehmen.

Ohne Sicherheitsrisiko Gänge zu wechseln, ist heute natürlich völlig normal. Aber um das Ganze NOCH besser zu machen, gibt es ein paar essentielle Einstellmöglichkeiten bei STI.

Was man bei Schalt-/Bremshebeln an Rennlenkern einstellen kann

Wichtig ist zunächst die Position am Lenker, wo die Schalthebel mit einer Metallklemme fixiert sind. Die muss stimmen, bevor bei Rennlenkern („Dropbars“) das Lenkerband darüber geklebt wird.

 

Wir gehen hier mal davon aus, dass der Lenker korrekt montiert ist und nicht zu weit nach oben oder unten gekippt ist (Tipp: Daran orientieren, ob die Schnittkante des Unterlenkers senkrecht steht – sollte sie nämlich!) Dann los:

1.) Die Schalthebel am Lenker an der richtigen Stelle befestigen

Die Position sollte möglichst waagerecht sein, mit einem ebenen Übergang vom Lenker zum Griff, denn hier liegt ja später deine Hand. Je smoother der Griff auf den Lenker übergeht, desto glücklicher die Patschhändchen!

 

Wichtig: Die Griffe weder nach oben, noch nach unten kippen! Das ist ein beliebter Fehler, um die Dinger näher an den Körper zu holen oder die Distanz zu vergrößern. Dadurch entsteht aber ein Knick, der die Hände leiden lässt. Wer zu gestreckt oder zu eng auf dem Rad sitzt: lieber den Vorbau drehen oder wechseln, einen Lenker mit mehr oder weniger Rise wählen oder die Rahmengröße hinterfragen. Schalt-/Bremsgriffe gehören waagerecht montiert!

Wie es geht

1. Die Metallschellen am Lenker lösen

2. Schalthebel an der richtigen Stelle positionieren und waagerecht ausrichten

3. Eventuell mit einer großen Wasserwaage oben auf den beiden Hörnchen die Position überprüfen, damit beide auf der gleichen Höhe stehen

4. Metallschellen fixieren (bei Carbon-Lenkern mit Drehmomentschlüssel! Meist 4-6 Nm bzw. Angaben beachten!)

5. Position mit beiden Händen testen und s.u. die Winkel einstellen, bevor das Lenkerband drüber kommt. 

 

Das folgende Feintuning geht zum Glück auch mit bereits geklebtem Lenkerband und war für mich ein absoluter Gamechanger. Auch, was die Interaktion auf Social Media angeht, denn so viele Kommentare bekommt man sonst nur mit Fotos von Hundewelpen!

2.) Winkel der Schalthebel anpassen

Wenn ich auf Instagram ein „Kuck mal Mama, ohne Hände“-Video poste und von oben auf meinen Gravelbike-Lenker herunterfilme, kann ich die Sekunden zählen bis jemand schreibt: „Warum sind denn deine Griffe so nach innen gedreht?! Ist das bequem?“ Und die Antwort lautet: Hell yeah!

Nicht immer geradeaus: Warum nach innen gedrehte Hebel sinnvoll sind

Bekommt man ein neues Rad, stehen die Schalt-/Bremshebel meist gerade nach vorn. Aber das bedeutet, dass das Handgelenk zum Greifen nach außen knicken muss. Das finden die meisten Leute normal, weil sie es nicht anders kennen.

 

Aber jetzt mach bitte mal den Selbsttest, den mir mein Bikefitter verraten hat: Stell dich hin und lass deine Arme ganz locker und entspannt nach unten hängen, so dass es angenehm ist. Wo zeigen die Öffnungen zwischen Daumen und Zeigefinger dann hin? Richtig: nach INNEN! Und nicht nach vorne!

 

Wenn du jetzt die Arme anwinkelst, so wie du normalerweise an den Lenker greifen würdest und die Position deiner Hände beibehältst, sollten sich die Hörnchen an deine Hände anpassen und ebenfalls nach innen zeigen. Denn dann ist die Position ergonomisch, weil deine Handrücken auf einer Linie mit deinen Unterarmen und die Handgelenke maximal entspannt sind.

Kleine Einstellung am Rennlenker mit großem Effekt: Weniger Schmerzen ohne mehr Kosten

Viele Leute, die mit eingeschlafenen Händen und schmerzenden Handgelenken kämpfen und wie wild Handschuhe und Lenker tauschen, könnte diese einfache Einstellung retten. Und zwar gratis! Denn dafür muss man nur an einer Schraube drehen.

Wie es geht

Am besten testet man die Position mit beiden Hebeln gleichzeitig. Wer das logistisch nicht hinbekommt, nacheinander und mit Nachjustieren geht auch.

 

1. Gummiabdeckung (Hood) vorsichtig nach vorne und oben ziehen. (Keine Angst: Die ist dafür gemacht, bewegt zu werden.)

2. Darunter befindet sich eine Innensechskantschraube. Nur so weit lösen, dass sich der Hebel bewegen lässt. Nicht komplett herausdrehen!

3. Idealerweise zum Testen aufs Rad setzen oder es gerade hinstellen.

4. Das Hörnchen leicht nach innen drehen, sodass dein Handgelenk in den Hoods gerade bleibt. Faustregel: Unterarm und Handrücken bilden eine Linie. Oder nochmal den Hängetest von meinem Bikefitter machen und dann den Arm mit gleichbleibenden Händen anwinkeln.

5. Hebel festhalten und Schraube mit Gefühl anziehen. Nicht zu festballern! Wer sich nicht sicher ist: mit Drehmomentschlüssel arbeiten. Hier immer die Angaben in der Anleitung von SHIMANO beachten!

6. Hood wieder runterziehen und ab auf eine kurze Testfahrt. Fühlt sich etwas ungut an? Dann nachjustieren. Bikefitting ist Feinarbeit und oft muss man auch erstmal ein bisschen mit neuen Positionen fahren, um zu merken, ob etwas besser ist.

Weniger Handgelenks-Yoga und mehr Aerodynamik

Das Ergebnis: Weniger Taubheitsgefühle, weniger Druck auf Nerven, längere schmerzfreie Fahrten und ganz nebenbei: ein bisschen mehr aero ist es auch.

 

Nach innen gedrehte Hebel führen automatisch zu einer schmaleren Armhaltung auf einem Rennlenker. Das reduziert die Stirnfläche und bietet so weniger Luftwiderstand. Dafür braucht’s keinen Windkanal und das ist bei Gegenwind auch für Sonntagsfahrer wie mich ein kleiner Bonus.

 

Umgekehrt fällt es mit dieser Handhaltung auch leichter in ruppigem Gelände die Ellbogen wie bei Mountainbiken nach außen zu schieben. So bekommt man auch auf dem Gravelbike oder Rennrad mehr Stabilität. Auch wenn’s mir persönlich primär um den Komfort geht...

3.) Die Bremshebelweite/Griffweite bei den Schalthebeln einstellen

Wenig überraschend: Menschen haben verschieden große Hände.

Für mich total überraschend: Man kann den Abstand der Bremshebel bei STI einstellen!

 

Bei den meisten Rädern sind Bremshebel ab Werk auf „Durchschnittshände“ eingestellt. Für kleinere Händchen bedeutet das:

 

-        Schlechter Hebelkontakt durch zu großen Abstand.

-        Weniger Bremskraft, wenn nur mit den Fingerenden gegriffen werden kann.

-        Schnellere Ermüdung.

 

Das ist nicht nur ein Ergonomie-Problem, sondern auch ein Sicherheitsrisiko! Deswegen gehört die Griffweite individuell eingestellt.

Wie es geht

1.     Bei SHIMANO STI sitzt die Einstellschraube für die Griffweite meist vorne oder seitlich am Hebel. Man benötigt als Werkzeug lediglich einen Innensechskantschlüssel.

 

2.     Gegen den Uhrzeigersinn drehen → Hebel kommt näher zum Lenker

 

Im Uhrzeigersinn → Hebel bewegt sich weiter weg vom Lenker

 

Tipp: Mit kleinen Änderungen starten (¼ Umdrehung) und immer wieder mit einem Griff aus den Hoods testen.

 

Merk dir, wie oft du in welche Richtung gedreht hast, damit du es beim anderen Hebel leichter hast, die identische Einstellung zu finden.

 

Ein langes Lineal an der Unterseite des Unterlenkers kann helfen, den gleichen Abstand an beiden Griffen zu finden. Im Zweifel aber aufs Gefühl vertrauen – vielleicht sind ja auch nicht beide Hände identisch?

 

Das Ziel: Idealerweise erreichst du den Bremshebel ohne die Hand strecken zu müssen. Du solltest nur mit einem oder zwei Fingern (Zeige- und/oder Mittelfinger) in der Lage sein, die Bremse optimal zu bedienen.

Weniger Abstand für mehr Sicherheit und mehr Kontrolle mit Dropbar-Lenkern

Mit einer kleineren Griffweite erreicht man den Hebel früher und mit mehr Kraft. Das ist nicht nur bequemer, sondern ein echter Sicherheitsgewinn.

 

Ein Bremshebel, den man gut greifen kann, lässt sich außerdem feiner dosieren. Das sorgt für mehr Vertrauen ins Material – und ins eigene Fahrkönnen. Es liegt zum Glück nicht immer an mir, manchmal liegt’s auch am Equipment. Aber zum Thema „Es liegt doch an mir“...

Please Don’t: Was du bitte nicht tun solltest

- Hebel nicht komplett zerlegen. Alles außer den zwei Schrauben ist verbotenes Terrain!

- STIs nicht öffnen! Im Inneren steckt eine komplexe Ratschen- und Federmechanik. Finger weg!

- Nicht mit Gewalt drehen, hebeln oder festknallen. Immer mit Gefühl arbeiten!

Bikefitting lohnt sich!

Das Ergebnis