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Stell dir vor, deine Pedale könnten sprechen...

Dieser Brief und die Pedale wurden Anfang des Sommers von Matt aus Utah an unsere nordamerikanische Shimano-Zentrale in Südkalifornien geschickt,  weil er uns seine Geschichte erzählen wollte. Wir freuen uns, dass wir 25 Jahre voller Abenteuer begleiten durften. Und wir freuen uns auf die nächsten 25 Jahre.

z.Hd.: Shimano-Familie

Betreff: Heimkehr

Absender: M737-Pedale von 1991

 

Liebe Shimano-Familie,

 

Ich schreibe dir diesen Brief, weil ich beschlossen habe, zurück nach Hause zu kommen. Es waren fantastische 25 Jahre, seit mein Besitzer Matt mich bei Wheel & Sprocket in Milwaukee gekauft hat. Ich habe drei verschiedene Mountainbikes, unzählige Ausfahrten, Abertausende Kilometer und mehr Stürze überstanden, als ich mir je hätte vorstellen können, aber nun bin ich müde geworden und möchte mich zur Ruhe setzen, in meinem Shimano-Zuhause, wo alles vor 25 Jahren begann.

 

Matt und ich lernten uns 1991 kennen, als er sein GT Karaokam verkaufte und sich ein neues Specialized Stumpjumper gönnte. Matt und ich entwickelten auf Anhieb eine Hassliebe auf den Emma Carlin Trails im Südosten Wisconsins. Er hasste mich, weil er sich ans Ausklicken gewöhnen musste, aber er liebte mich, weil alle anderen Fahrer, die aus Chicago kamen, neidisch waren, denn Matt hatte mich und die anderen fuhren noch mit Plattformpedalen. Die Trottel!

 

Ein Jahr später ging Matt zum College an der UW-Wisconsin und nahm mich und das Stumpjumper mit. Wenn ich zurückblicke, war das unheimlich cool und ich habe großes Glück gehabt. Matt wechselte jedes Wochenende zwischen mir und Plattformpedalen, sodass ich mit ihm Mountainbiketouren fuhr und er unter der Woche mit Plattformpedalen auf dem Campus pendelte. Auch wenn ich es schade fand, dass ich Matt nicht auf dem Campus begleiten konnte, war ich froh, dass er jedes Wochenende die Pedale wechselte – 1996 wurde nämlich sein Stumpjumper auf dem Campus gestohlen. Gut, dass die langweiligen und uneffizienten Plattformpedale bei einem Typen mit schlechtem Karma blieben und nicht bei Matt.

 

Zuerst war ich sehr geknickt, weil sich die Trailtouren mit Matt im Frühling erst einmal verzögerten. Dann aber kaufte Matt mithilfe eines Schecks von der Versicherung ein brandneues 1997er Stumpjumper S-Works bei Ben's Cycle in Milwaukee. Zu der Zeit kostete es 1.500 Dollar, was absurd viel Geld war. Es war grün mit rotem Dämpfer, ein Weihnachts-Bike. Ich war voller Vorfreude, aber auch nervös – Vorfreude wegen der bevorstehenden Touren, aber nervös, weil sein neues Bike eine XTR-Vollausstattung hatte. Ich habe mich so gefreut, als Matt das Bike kaufte und dem Verkäufer sagte: „Pedale sind nicht nötig, ich bin zufrieden mit den 737 von meinem alten Bike“. Also fuhren wir los...

Unsere erste Fahrt auf dem Emma Carlin werde ich nie vergessen. Wir fuhren mit einer Gruppe von Freunden und hielten während der Tour an einer Trail-Kreuzung an. Einer der Jungs aus Chicago musterte mich und das neue S-Works ganz neugierig und war blass vor Neid. Es lief also gut für mich, und das war sehr schön.

 

Die Touren in Wisonsin mit Matt und seinen Freunden liefen einige Jahre so weiter. 2022 entschloss Matt sich dann, nach Salt Lake City in Utah umzuziehen. Ein Grund für diesen Umzug war ein Besuch in Moab im Jahr 1997. Matt und ich fuhren den Slickrode Trail und den Porcupine Rim – zwei Jahrzehnte, bevor es dort asphaltierte Parkplätze, neue Hotels und all die Menschenmassen gab. Das hat so viel Spaß gemacht – ich, Matt, ein paar Freunde und viele Kilometer Touren. Matt und ich traten einem Rennradklub in Salt Lake City bei und fuhren jahrelang zusammen. Utah, Idaho, Colorado, Wyoming..., zahllose Kilometer und Einsamkeit auf den Trails. Unsere gemeinsamen Touren gingen weiter, ungeachtet des vielen Spotts über das Alter von Matts Bike und mir.

 

Dann, im Jahr 2010, beschloss Matt, sich ein neues, voll gefedertes Stumpjumper zu kaufen. Die Zeit war wohl reif dafür. Ich hatte wahnsinnige Angst. Ein neues Bike für 4.000 Dollar hieß bestimmt, dass es auch neue Pedale geben würde, oder?

 

Zu meiner Erleichterung und Überraschung kaufte Matt das neue Bike und sagte Ben’s Cycles (wieder einmal), dass er keine neuen Pedale brauche. Fantastisch.

 

Also wurde ich ans neue Stumpjumper geschraubt und unsere Abenteuer gingen weiter. Mit dem neuen Bike hat Mike eine Schulteroperation, gebrochene Rippen, mehrere Gehirnerschütterungen und eine Halswirbeloperation durchgemacht – aber er fährt immer noch mit mir und dem Bike los.

 

Nun, wir waren am vergangenen Wochenende in Moab und ich habe gemerkt, dass mir der Sprit ausgeht. Meine Lager sind total im Eimer und die Federn sind abgenutzt. Es fiel mir sehr schwer, aber ich sagte Matt, dass es nun Zeit war – Zeit für mich, in den Ruhestand zu gehen. Vor 25 Jahren hat mich Matt aus dem Karton geholt und an sein Bike geschraubt. Er hat in der Zeit nicht ein einziges Mal meine Auslösespannung eingestellt oder mich gereinigt. Gestern hat er bei REI ein neues Paar M8000er gekauft. Ich hoffe, dass sie die Fackel gut weiter tragen. Wenn sie so lange halten wie ich, wird Matt dann 66 Jahre alt sein. Ich habe wohl länger gehalten als die meisten Ehen in den USA, und es hat irre viel Spaß gemacht.

 

Also möchte ich einfach Danke sagen und freue mich nun, wieder zu Hause zu sein.

 

- 737 Pedale

Die Geschichte der Heimkehr der Shimano PD-M737
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