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Begleite den Adventure-Tourer Kurt Refsnider auf seiner Reise und erfahre, was er bei der ersten Durchfahrt der neuen Orogenesis-Route erlebt hat, die mit einer Länge von gut 8.000 km als längster Mountainbike-Trail der Welt gilt.

Text und Bilder von Kurt Refsnider

Shimano-Athlet Kurt Refsnider fährt den längsten MTB-Trail der Welt
Shimano-Athlet Kurt Refsnider fährt den längsten MTB-Trail der Welt

Mein großes Ziel im vergangenen Jahr war die erste Komplettdurchfahrt der neuen Orogenesis-Route, die als längster Mountainbike-Trail der Welt gilt. Nach jahrelanger Erschließung war die gut 8.000 Kilometer lange Route, die sich von Kanada bis zur Südspitze der Halbinsel Baja California erstreckt, bereit für ihre ersten Testfahrer. Ich freute mich besonders auf die 3.000 Meilen davon, die durch Washington, Oregon und Kalifornien führen und zu fast 50 % aus Singletrails bestehen (fast ausschließlich auf Trails, die ich noch nie gefahren bin) – das war ein Abenteuer, das ich mir einfach nicht entgehen lassen konnte.

 

Die neuen XT- und XTR-Di2-Gruppen kamen gerade einen Monat vor meiner geplanten Abreise von der US-kanadischen Grenze auf den Markt. Normalerweise verlasse ich mich vor längeren Touren durchs Gelände nicht auf Ausrüstung, die ich nicht ausgiebig erproben konnte – die möglichen Risiken sind einfach zu hoch. Diese neuen Antriebe hatte ich allerdings schon sehnsüchtig erwartet und mir schnell ein XT-Schaltwerk-Upgrade-Kit besorgt, das ich am Tag vor meinem Flug in die Dolomiten an meinem Bike montierte – für zwei Wochen Singletrail-lastiges Bikepacking von Hütte zu Hütte zusammen mit meiner Shimano-Kollegin Kait Boyle. Wenn der neue Antrieb in diesen Bergen einwandfrei funktionierte, sollte er mich auf dem Orogenesis begleiten.

Shimano-Athlet Kurt Refsnider auf Tour in den Dolomiten
Shimano-Athlet Kurt Refsnider auf Tour in den Dolomiten

Und tatsächlich funktionierte der Antrieb makellos bei all dem Regen und Schlamm und den  Kontakten mit italienischen Felsbrocken, ohne jemals einen Gang zu verfehlen. Nach meiner Rückkehr wurden diese Teile schnell an mein Orogenesis-Bike geschraubt, und gemeinsam machten wir uns sofort auf den Weg nach Washington, nicht ohne Sorge angesichts all der Ungewissheiten, die auf den vor uns liegenden Tausenden von Kilometern Fahrstrecke lagen.

 

Orogenesis war ein fantastisches Erlebnis – mehr über das Abenteuer selbst kannst du auf Escape Collective und The Radavist lesen. Aber nach rund 80 Tagen auf dem Sattel und mehr als 121 Höhenkilometern Abfahrt auf dem US-Abschnitt von Orogenesistellt sich die Frage: Wie hat sich der neue Di2-Antrieb bewährt? Wie war die Akkulebensdauer? Wie viele Ketten habe ich verschlissen? Lies weiter für den Tour-Rückblick.

Kurt Refsnider sitzt auf seinem Bike und genießt die Aussicht auf dem Orogenesis-Trail mit Shimano Deore XT Di2
Kurt Refsnider sitzt auf seinem Bike und genießt die Aussicht auf dem Orogenesis-Trail mit Shimano Deore XT Di2
Shimano-Athlet Kurt Refsnider fährt mit seinem XT-ausgestatteten MTB eine Felsplatte auf dem Orogenesis-Trail hinunter
Shimano-Athlet Kurt Refsnider fährt mit seinem XT-ausgestatteten MTB eine Felsplatte auf dem Orogenesis-Trail hinunter

Details und Überlegungen zum Bike-Setup

Auf dem US-Abschnitt des Orogenesis, der durch Washington, Oregon und Kalifornien führt, machen Singletrails fast die Hälfte der Strecke aus, und ein Großteil dieser Trails ist relativ unberührt und technisch anspruchsvoll. Es gibt dort nur wenige „einfache“ Trail-Kilometer, und viele Abschnitte bestehen aus rauen Backcountry-Motocross-Singletrails oder selten befahrenen MTB-Trails. Deshalb fiel meine Wahl auf das Pivot Trailcat SL, ein Fullsuspension-Bike, das mir die ideale Balance aus Effizienz, Fahrspaß und Kontrolle bietet. Mein Antriebs- und Bremssystem sah folgendermaßen aus:

  • Schaltwerk/Schalthebel: XT M8250 Di2
  • Bremsen: XT M8120 – 4-Kolben-Modell für mehr Bremskraft und in der älteren Version, da die Bremsflüssigkeit mit niedriger Viskosität für die neuen M8220-Bremsen in den kleinen Läden wahrscheinlich noch nicht durchgehend verfügbar gewesen wäre
  • Kurbeln: XT M8130 – zuverlässig, langlebig und genau die, die ich bereits hatte
  • Kettenblatt: XT 28Z – bei über 120.000 Höhenmetern ist ein kleines Kettenblatt dein bester Freund
  • Kassette: XT 10-51Z - ausgewählt wegen ihrer außergewöhnlichen Langlebigkeit
  • Kette: XTR M9100 – die langlebigste Shimano-MTB-Kette, die ich kenne
  • Pedale: XTR M9120 in Kombination mit GE9-Schuhen – Trail-Pedale mit größerer Plattform für maximalen Fußkomfort beim täglichen Treten, und die Schuhe sind meine erste Wahl für große Touren, bei denen du unterwegs oft das Rad schieben musst
Shimano XTR-Kette und DEORE XT-Kettenblatt
Shimano XTR-Kette und DEORE XT-Kettenblatt
Kurt in Shimano GE9 MTB-Schuhen auf dem Orogenesis Trail
Kurt in Shimano GE9 MTB-Schuhen auf dem Orogenesis Trail
Shimano Di2-Akkus, staubig vom Fahren
Shimano Di2-Akkus, staubig vom Fahren

Akkulebensdauer

Die meisten Tage auf dem Trail umfassten 7 bis 8 Stunden Fahrzeit, reichlich Schiebepassagen und jede Menge fantastische Singletrails. Der Bundesstaat Washington war ein Fest aus steilen, losen Anstiegen und langen, felsigen Abfahrten mit fast 39 Höhenkilometern Abfahrt auf gut 1100 Kilometern Strecke. Das Gelände in Oregon und Kalifornien war im Durchschnitt etwas sanfter, wobei einige der anspruchsvollsten Tage der gesamten Route in Südkalifornien lagen. Ich war mir nicht sicher, was mich bei der Akkulaufzeit des Schaltwerks erwarten würde, also hatte ich ein paar Ersatzakkus dabei. Es stellte sich heraus, dass ich selbst bei der hohen Schaltfrequenz auf technischen Trails mit einem einzigen Akku volle 5 Tage auskam (was wahrscheinlich etwa 35 Stunden Fahrzeit entspricht). Da ich wöchentlich in Städten übernachtete, um mich mit Proviant zu versorgen, alles zu säubern und die Akkus aufzuladen, musste ich nicht einmal auf den zweiten Di2-Reserveakku zurückgreifen, den ich dabei hatte.

Kurt fährt in der Wüste von Südkalifornien auf dem Orogenesis Trail mit Shimano XT Di2
Kurt fährt in der Wüste von Südkalifornien auf dem Orogenesis Trail mit Shimano XT Di2
Shimano Deore XT Di2 Schaltwerk
Shimano Deore XT Di2 Schaltwerk

Unverwüstliche Leistung und Lebensdauer

Nach knapp 5.000 staubigen und strapaziösen Kilometern schaltete das Schaltwerk immer noch genauso gut wie am ersten Tag, als ich von der kanadischen Grenze losfuhr. Diese allmählich abnehmende Schaltpräzision, die ich von mechanischen XT-Systemen nur allzu gut kannte – wenn die Zughülle nach und nach sandig wird und die Schaltwerksmechanik nach und nach Spiel entwickelt –, war beim neuen M8250-System nicht vorhanden. Gegen Ende der Tour habe ich die Schaltindexierung um einen Klick angepasst, nachdem ich das Schaltauge am Rahmen leicht verbogen hatte, aber das war’s auch schon. Der Schaltkäfig und die Akkuabdeckung sehen jetzt zwar ziemlich mitgenommen aus, aber das Schaltwerk ist trotz allem, was es durchgemacht hat, noch lange nicht am Ende seiner Lebensdauer angelangt.

Shimano-Athlet Kurt Refsnider fährt den Orogenesis-Trail mit der neuen XT Di2
Shimano-Athlet Kurt Refsnider fährt den Orogenesis-Trail mit der neuen XT Di2
Shimano Deore XT Di2-Schaltwerk nach über 1.600 Fahrkilometern
Shimano Deore XT Di2-Schaltwerk nach über 1.600 Fahrkilometern

Wie haben sich all die anderen Teile bewährt? Ich hatte dort draußen kein einziges mechanisches Problem und musste unterwegs nicht an irgendwelchen Teilen herumschrauben. Besser geht es nicht! Ich habe die Kette und die Bremsbeläge dreimal ausgetauscht, die Schuhplatten zweimal, Kassette, Kettenblatt und Schaltrollen einmal auf halber Strecke, einmal die Schuhe ausgetauscht und zweimal die Bremsen entlüftet.

 

Mehr hätte ich mir von den Teilen auf einer Strecke wie dieser nicht wünschen können – nur Spaß, null Stress.

 

Meine Orogenesis-Tour ging weiter bis nach Mexiko, aber ich tauschte das Full-Suspension-Bike gegen ein Mountainbike mit Rennradlenker, die XT Di2-Schaltung gegen meine bewährte mechanische GRX und das Alleinreisen gegen die Begleitung meiner Partnerin Claire – und ein ganz neues Abenteuer begann.

Kurt steht an der Trail-Markierung in Mexiko
Kurt steht an der Trail-Markierung in Mexiko